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Einfache Antworten sind gefragt. WOMAN stellen lieber Fragen. Zum Beispiel diese hier: „Where you gonna go when the planet erupts?“ heißt es im ersten Vers von Dust, dem ersten Song auf Happy Freedom, dem ersten Album des Kölner Trios. Tja, wohin willst du gehen, wenn die Erde zerbirst? Wer darauf eine einfache Antwort fndet, kann ja schon mal vorgehen... Textlich geht es also gleich gut los. Und musikalisch auch. Der Beat marschiert elegant in Richtung Firmament, Keyboards öfnen den Raum, aus dem Dunkel kommen seltsame Geräusche. „Is there something greater than dust?“, fragt die Stimme. Klar, denkt der Hörer, nämlich diese kosmisch-elektronische Pop-Musik!

Happy Freedom ist ein heiß ersehntes Debütalbum. Gut, das steht mindestens in jedem zweiten Infotext. Aber bei WOMAN trifft es zu. Seit fünf Jahren wird bereits über diese Band gemunkelt, wer sie von Anfang an kennt, tauscht seine frühen Eindrücke wie Geheimwissen aus. Die Geschichte begann 2012 in der Kellerbar im Belgischen Viertel von Köln. Drei befreundete Musiker aus der Stadt hatten noch nicht einmal einen Namen, aber das erste Set stand. Es war laut und chaotisch, halb Einstürzende Neubauten, halb Suicide. Wer damals dabei war, rieb sich die Augen: Okay, das Ding steckte konzeptionell noch in den Kinderschuhen, aber die Intensität und Experimentierfreude der Musik nahm alle ein.

Nach ein paar weiteren Gigs entwickelten sich WOMAN weiter. Die Band klang nun elektronisch und kosmisch, funky und psychedelisch. Erste Versuche, die Stücke aufzunehmen, scheiterten. „Unsere Ansprüche an uns selbst waren zu hoch“, sagt Manuel Tran, Gitarrist, Sänger, Keyboarder. „Also haben wir die Songs verworfen. Das tat weh, war aber eine notwendige Entscheidung“, ergänzt Milan Jacobi, der Schlagzeuger. Zum wichtigen neuen Mann von WOMAN wurde Carlos Hufschlag, Keyboarder und Sänger. „Als ich dazu kam, hätte es auch schnell vorbei sein können“, erinnert er sich. Die Band stand auf der Kippe, Gründungsmitglied Marvin Horsch verließ die Gruppe. Die anderen drei machten dann genau das Richtige: Sie ließen sich Zeit. An Laptops entstanden Demos, die im Proberaum analog übersetzt wurden. Schnell wurde klar, dass eine WOMAN-Platte nicht in der WG-Küche aufgenommen werden kann. Diese Musik braucht Räume, braucht eine perfekte Aufnahmetechnik und einen Menschen, der die Band fordert und Deadlines setzt.

Dieser Mensch lebt in Wien, heißt Zebo Adam und ist dafür verantwortlich, dass die Band Bilderbuch so großartig klingt. Mit ihm nahmen WOMAN in Wien ihre erste EP Fever auf, die im Frühling 2016 erschien und hohen Wellen schlug: So mysteriöse, sexy und kluge Musik hört man nur sehr selten. Im Sommer und Herbst 2016 ging dann die Post ab. Die Band spielte unter anderem auf den Haldern-Festival, Marius Lauber a.k.a. Roosevelt fertigte einen Remix für das Stück Touch, der WOMAN auf die Playlist von BBC 1 brachte. Schließlich erzählte 1Live-Connaisseur Klaus Fiehe in seiner Sendung, dass beim Branchenfestival Eurosonic Noorderslag in Groningen Anfang 2017 über keine andere neue Band mehr gesprochen wurde – dabei waren die Kölner gar nicht da. Sie hatten etwas anderes tun, sie stellten ihr Debüt fertig. Natürlich wieder in Wien, bei Zebo Adam.

Nun muss man wissen, dass dieser Wahnsinnsproduzent keine Platten aufnimmt, wie Finanzbeamte Steuererklärungen bearbeiten. Zebo Adam ist – im besten Sinne – ein Nerd. „Wenn er und seine Techniker ein Schlagzeug mikrofonieren, dann ist das eine Wissenschaft für sich“, sagt Milan. Mehrere Wochen lang schloss sich die Band in ihrem Elfenbeinturm in Wien ein. „Eigentlich nimmt heute keiner mehr mit so viel Aufwand auf“, sagt Carlos. Denn natürlich ist diese Art von Wertarbeit teuer, und okaye Aufnahmen lassen sich auch wesentlich günstiger mit Laptop und Ableton-Live-Software machen. „Aber dieser einfache Weg kam für uns gar nicht in Frage“, sagt Manu. Richtig so, denn was braucht die Popwelt weniger als Durchschnittsware?

Das Cover von Happy Freedom zeigt den aufgeschnittenen Planeten, der Erdkern ist eine Diskokugel. Kein Bild könnte WOMAN besser beschreiben. Die Songs der Band beschreiben unsere Leben – und während wir uns über die trefenden Analysen wundern, tanzen wir dazu. Marvelous City ist die erste Single, ein kreisendes Stück, beinahe wie ein Mantra: „There's a marvelous city in my dreams/ You should go downtown there if you know what I mean.“ Man glaubt an einen Sehnsuchtsort, doch dann singt Carlos: „Only it’s a dystopy.“ Es kommen Erinnerungen an die großen Science-Fiction-Filme der 70er auf, an Werke wie „Logan’s Run“, die dem Zuschauer Rätsel aufgeben, Fragen stellen: Was willst du, was bist du bereit dafür in Kauf zu nehmen?

Bei Concrete Jungle nimmt die City Form an, sie wird zum Beton-Dschungel, bevölkert von zersplitterten Identitäten – aber die Hofnung bleibt: „I know the sunshine comes through.“ Das Stück pulsiert geheimnisvoll und exotisch, Carlos die Strophen mit mysteriöser Stimme, im Refrain hebt er sie an, Manu spielt dazu eine psychedelische Funkgitarre. Control hat Discobeats und Neo-R’n’B-Keyboards, die Band stellt eine ihrer großartigen Fragen, über die man stundenlang philosophieren kann: „What if control is an illusion after all?” Love startet wie Muzak, ein Beat wie aus dem Fahrstuhl, doch so gemütlich bleibt es nicht, im Laufe der drei Minuten ist Platz für ein paar Showstopper, es drängelt sich eine übersteuerte E- Gitarre ins Bild, den Refrain mit den fächigen Keyboards spielt die Band nur ein einziges Mal, dafür klingt der zweite Durchgang, als habe Stevie Wonder kurz in Wien vorbeigeschaut.

Das sind die ersten fünf Tracks des Albums, und es ist sinnvoll, sich Happy Freedom auf Vinyl zu beschafen, weil man die Platte nun umdrehen kann und „The Dark Side Of WOMAN“ entdeckt. Money beschreibt den Kapitalismus als eine Art faschistisches System, die Sirenen heulen, der Beat stolpert, Manu spielt ein sensationelles Gitarrensolo – es steht für den letzten Aufschrei des Individuums. Khung Bo ist der vietnamesische Ausdruck für Terror; Manu stammt aus diesem Land. Wieder wehrt sich hier ein Mensch, dieses Mal ist der Endgegner die Angst, die eine Zivilgesellschaft in Zeiten des Terrors lähmt. „Was vielen Pop- und Electronic-Platten heute komplett fehlt, ist eine Aussage“, hadert Carlos. „Ich dagegen wüsste nicht, wie man in dieser Zeiten nicht über diese Themen schreiben könnte“, ergänzt Manu.

Das fnale Stück The End kommt im Lauf sener sechs Minuten mehrmals zum Erliegen, als sehe Sisyphos die Sinnlosigkeit seines Tuns ein. Mit den Zeilen „Take notice of the wonders/ I feel love again“ erhebt sich der Song zum Ende, über den Olymp geht’s bis auf eine Raumstation irgendwo weit draußen im All.

Zurück zur Einstiegsfrage: „Where you gonna go when the planet erupts?“ Na, genau hierhin – in das Raum-Zeit-Kontinuum der Band WOMAN. Der Erdkern ist die Diskokugel, doch das Leben besteht nicht nur als Hedonismus und Dekadenz. Ohne Seele, Freundschaft, Liebe und Gesellschaft biste nix, liebes Individuum. Daher: Happy Freedom – aber du musst was dafür tun. Einen besseren Soundtrack dazu gibt es nicht. Lasst das Zeitalter des Psychedelic-Electro’n’Disco-Pop beginnen! 

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DatumStadtLandVenueNotizAddTickets
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21.10.17 FreiburgDEJazzhaus Ahoii Festival GCal | iCalShow TicketEdit
27.10.17 KalternITKaltern Pop FestivalGCal | iCalShow TicketEdit
28.10.17 NürnbergDENürnberg.Pop FestivalGCal | iCalShow TicketEdit
18.11.17 DüsseldorfDENew Fall FestivalGCal | iCalEdit
'HAPPY FREEDOM' Tour 2017 | Präs. von INTRO, Diffus & MusikBlog
24.11.17 KölnDEArtheater Special Guest: Xul Zolar GCal | iCalShow TicketEdit
01.12.17 EssenDEHotel Shanghai Special Guest: Xul Zolar GCal | iCalShow TicketEdit
05.12.17 HamburgDEUebel & Gefährlich Special Guest: Xul Zolar GCal | iCalShow TicketEdit
06.12.17 BerlinDEKantine Am Berghain Special Guest: Xul Zolar GCal | iCalShow TicketEdit
07.12.17 LeipzigDESo & So Special Guest: Xul Zolar GCal | iCalShow TicketEdit
08.12.17 StuttgartDEKeller Klub Special Guest: Xul Zolar GCal | iCalShow TicketEdit
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